16. Oktober 2011

So long Summer!

  
So heißt das erste, jetzt gerade prima passende Kapitel aus Cold-Weather Cooking von Sarah Leah Chase. Das Kochbuch hat etliche, auch für Vegetarier verheißungsvoll klingende Rezepte, wie z.B. Warm Mushroom and Arugula Salad, Grand Marnier-Glazed Carrots und diverse Spargelrezepte. Und gleich mein erstes Nachkochen aus So long Summer war ein Volltreffer: Ribollita, die Wiederaufgewärmte.


Diese toskanische Suppe ist im Originalzustand eher Porridge bzw. Brei statt Suppe. Eine Art Minestrone, die am Vortag gekocht und dann in eine mit altbackenem, weißem Brot ausgelegte Schüssel gegeben und im Ofen erhitzt wird. Das anschließende Vermengen des Ganzen ergibt schließlich einen "Suppenbrei". Ich habe sie nach dieser Art zubereitet, konnte mich aber trotz guten Zuredens nicht an die dicke Konsistenz und die leicht schleimige Textur gewöhnen.


Glücklicherweise hatte ich nicht die ganze Suppe dafür verwendet und habe dann den Rest einfach so gegessen: wiederaufgewärmt und mit geriebenem Parmesan bestreut. Ribollita teilt zwar das Schicksal der meisten wiederaufgewärmten, eintopfartigen Suppen, keine Augenweide zu sein, ist dafür aber eine absolute Delikatesse! Was ich übrigens beim Abschmecken direkt nach dem Kochen nie gedacht hätte. Mein erster Eindruck war der gewesen: nothing to run home and tell Mami about (= gewöhnlich).
Diese Suppe muß zuerst abgekühlt und dann wieder erhitzt werden, damit sie richtig schön herzhaft und rund schmeckt. Ich finde sie auch deutlich leckerer als eine klassische Minestrone - vielleicht liegt das daran, daß hier der Anteil an Grüngemüse höher ist? Wie auch immer: ein "Keeper"!


Vor über 20 Jahren ist das Buch erstmalig erschienen und hat als Neuausgabe mittlerweile einen stolzen bzw. Sammler-Preis. Der Gebraucht-Preis liegt um die 10 Euro.
Das Buch liest sich sehr gut und vermittelt eine gemütliche, zwanglose Kochstimmung. Wohlgemerkt: es ist kein vegetarisches Kochbuch. Aber wie bei allen nicht-vegetarischen Kochbüchern stört mich das nicht groß - wenn es mir auch nur ein einziges Lieblingsgericht beschert, das mich den Rest meines Lebens begleitet, ist es mir allemal die Investition von 10, 20 oder auch 50 Euro wert.


Wenn man die Petersilie streicht und sich den Kohl hinzudenkt, ist dieses Gruppenfoto komplett. Die Petersilie ist im Rezept von Sarah Leah Chase zwar vorgesehen, aber ich hatte den Eindruck, daß sie zu dominant sein könnte und daher noch ein wenig recherchiert, bevor ich mich an's Kochen machte. Und tatsächlich habe ich kein weiteres Ribollita-Rezept mit Petersilie gefunden - also: gestrichen. Der Kohl fehlt auf dem Foto, weil ich noch eine Partie im Tiefkühler hatte.



Ribollita ohne Brot
Adaptiert von Sarah Leah Chase: Cold-Weather Cooking

Wie oben beschrieben, ist hier zu beachten, daß die Suppe am Vortag zubereitet wird. Für die Gemüsebrühe gilt: welche Brühe auch immer, es sollte eine sein, die auch „solo“ sehr gut schmeckt. Diese Suppe läßt sich sehr gut portionsweise einfrieren und ist, mit Parmesan serviert, eine köstliche Büro-Mahlzeit.

4 EL Olivenöl
2 Karotten
2 mittelgroße Kartoffeln (festkochend)
2 Selleriestangen
ca. ¼ mittelgr. Kopf grüner Kohl (soll ca. 1-2 Tassen geschnittenen Kohl ergeben)
1 TL getr. Thymian
1 gestr. TL gem. Rosmarin
1 große Mangoldstange
150 g Spinat (eine Handvoll)
2 kleine Zucchini
3 Tomaten (oder 1/2 Dose Tomaten)
1-1½ l Gemüsebrühe
1 Glas kleine weiße Bohnen, ca. 200g Abtropfgewicht (Fagioli Cannellini, z.B. von LaSelva)
Salz, Pfeffer

etwas Olivenöl
etwas geriebener Parmesan (evtl. laktosehaltig)


Am Vortag:

Karotten und Kartoffeln schälen und klein würfeln.
Die Selleriestangen waschen und in 2-3mm dicke Scheiben schneiden.
Den Kohl ggf. waschen und in schmale Streifen schneiden. 
Den Mangold (Stiel und Blatt) waschen und in mundgroße Stücke schneiden.
Den Spinat waschen, die Stiele entfernen und grob zerschneiden.
Die Zucchini waschen und in kleine Würfel schneiden.
Die Tomaten waschen und klein würfeln.

Das Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, Karotten, Kartoffeln, Sellerie, Kohl und Kräuter hinzugeben und bei mittlerer Hitze 10-15 Minuten dünsten. Alle paar Minuten umrühren.
Dann Mangold, Spinat, Zucchini und Tomaten unterrühren und mir der Brühe auffüllen. Abgedeckt eine gute Stunden köcheln lassen. Dann die abgetropften Bohnen hinzugeben und weitere 15 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Abkühlen lassen und über Nacht kalt stellen.

Vor dem Servieren:

Die Suppe erhitzen, gelegentlich umrühren.
In Suppentassen füllen, etwas Olivenöl draufträufeln und geriebenen Parmesan dazu reichen.

8-10 Portionen
Zubereitungsdauer 30-45 Min. ohne Garzeit