Dieses Gericht koche ich drei- bis viermal pro Jahr. Das hört sich nicht gerade nach einem Hit an...
Weil ich das aber schon seit über zwanzig Jahren mache, ist es doch einer! Und zwar ein echter Klassiker - mit herzhaftem, vollem und üppigem Geschmack. Fast so wie Sauerkraut, Rotkohl, Linseneintopf und Co. und mit der gleichen Fähigkeit, rundum zufrieden zu machen - eben nur völlig anders im Charakter und mit herrlichen Farben.
Die Basis ist Hirse mit Curry und etwas Chili - ein wunderbarer geschmacklicher Gegenpol zu den leicht süßlichen Möhren und Zucchini. Und der zarte Eigengeschmack dieser beiden Gemüsesorten bleibt so gut erhalten, daß man man sie trotz der Schärfe und viel Umami (s.u.) tatsächlich herausschmecken kann. Wichtiges Accessoire ist die Joghurtsauce, die - egal ob aus Kuhmilch oder Soja - unverzichtbar ist. Wenn dann die heiße Hirsepfanne mit der kühlen Joghurtsauce zusammenkommt... mmmhhh, köstlich!
Das Rezept hatte ich irgendwann mal mit der Schreibmaschine abgeschrieben, ohne die Quelle zu notieren, und ich kann mich schon lange nicht mehr zurück erinnern, woher ich es habe. Offensichtlich ist es aus der Zeit vor meinem ersten Computer, also vor 1988.
Und tatsächlich, nach ein wenig Internetrecherche weiß ich: es ist aus Essen & Trinken von 1984.
Mehr als ein Vierteljahrhundert gekocht und geliebt!
Hirsepfanne mit Joghurtsauce
Adaptiert von Essen & Trinken 3/1984
Ich bin ein wenig spät dran mit diesem Rezept: Zucchini gibt es derzeit nur noch aus dem Ausland - also begehe ich heute eine "regional ist erste Wahl"-Sünde. Aber für dieses Essen mache ich das ohne zu zögern...
Das Rezept liest sich wegen der drei Komponenten vielleicht aufwendig - ist es aber nicht: während die Hirse gart, schnippelt man das bißchen Gemüse, gart es kurz und rührt die Sauce an; dann nur noch zusammenmischen und schon ist alles fertig!
Weil die Zucchini sehr schnell durchgart, gebe ich sie immer erst ganz zum Schluß roh hinzu und lasse die gesamte Mischung noch eine Minute durchziehen; so behalten die Zucchini ihren Biß.
Das Gericht läßt sich prima einfrieren, wenn das Gemüse nicht zu weich gegart und noch schön knackig ist. Denn sonst wird es beim Wiederaufwärmen zu breiig.
Die Joghurtsauce ist das Tüpfelchen auf dem i (ohne sie schmeckt die Hirsepfanne nicht mal halb so gut). Im Originalrezept wird sie aus Joghurt plus Sahne gemacht, aber mir schmeckt sie viel besser ohne Sahne. Dabei ist es geschmacklich egal, ob der Joghurt aus Kuhmilch oder Soja ist. Man kann die Sauce variieren und sie mal mit Minze, mal mit Petersilie oder Basilikum machen.
Wer wie ich ohne Knoblauch leben muß oder möchte, sollte beim Einkauf von Currypulver darauf achten, daß es keinen Knoblauch enthält. Sehr gute Qualität haben die Gewürze von Brecht (leider nur im Reformhaus erhältlich); ansonsten sind auch die von Sonnentor und Lebensbaum zu empfehlen (Bioladen).
23.1.11: Ergänzung: komme gerade von der Biohalle der Grünen Woche und habe dort das Berliner Gewürzunternehmen Spice for Life kennengelernt. Ein kleines, aber sehr feines Sortiment! Zertifizierte Bioqualität und aus fairem Handel. Ihr klassisches Curry ist zwar leider mit Knoblauch, dafür habe ich aber endlich ein hervorragendes Garam Masala ohne Knoblauch gefunden. Besonders aufgefallen ist mir, daß alle Gewürze ein sagenhaft frisches und intensives Aroma haben. Das Unternehmen ist noch recht jung und vertreibt seine Gewürze überwiegend im eigenen Onlineshop. Eventuell wird es in absehbarerer Zeit auch Probiergrößen geben...
Hirsemischung
200 g Hirse (ca. 1 gehäufte Tasse)
1 kleine getrocknete Chili (ersatzweise ¼ TL Cayennepfeffer)
2 EL Olivenöl
2 EL Currypulver
½ l Gemüsebrühe
Salz
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Gemüsemischung
2 EL Olivenöl
250 g Möhren (ca. 4 mittelgroße)
250 g Zucchini (ca. 2 mittelgroße)
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Joghurtsauce
500 g Sojajoghurt oder Kuhmilch-Joghurt (nicht fettreduziert!)
Salz nach Geschmack, etwa ½ TL
gehackte Kräuter (z.B. Minze, Petersilie oder Basilikum)
Die Hirse heiß waschen oder überbrühen, abgießen (um die Bitterstoffe zu lösen).
Die Chili aufschneiden und die Samen herausfallen lassen und wegtun. Chili sehr klein schneiden.
Das Öl in einem größeren Topf leicht erhitzen und die Chili (bzw. den Cayennepfeffer) darin unter Rühren leicht andünsten. Dann das Currypulver unterrühren und bei milder Hitze ganz kurz anschwitzen. Die abgegossene Hirse unterrühren und mit der Gemüsebrühe auffüllen, leicht salzen und zugedeckt bei milder Hitze 20 Minuten ausquellen lassen.
Inzwischen die Möhren schälen, waschen und fein würfeln. Die Zucchini waschen und würfeln.
Das Öl in einem Topf erhitzen und die Möhren ca. 3-5 Minuten (je nach Würfelgröße) zugedeckt dünsten.
Dann die Zucchini zugeben, kurz unterrühren und beides zur Hirse geben, locker mischen. Das Gemüse soll noch knackig sein! Die Hirsemischung eventuell nachsalzen und alles 1 Minute durchziehen lassen.
Den Joghurt mit Salz würzen und die gehackten Kräuter unterrühren.
Die Sauce extra servieren.
4 Portionen.
Zubereitungsdauer ca. 30 Min. inkl. Garzeit
Umami ist die Bezeichnung für eine der Grundqualitäten des Geschmackssinns. Als erster beschrieb schon 1908 der japanische Forscher Kikunae Ikeda die Geschmacksqualität umami (dt.: „fleischig und herzhaft, wohlschmeckend“). Bei seinen Experimenten fand Ikeda heraus, daß es eine Geschmacksqualität abseits der üblichen Einteilung in süß, sauer, salzig und bitter gibt, welche besonders proteinreiche Nahrungsmittel anzeigt. Da in der westlichen Kultur Umami als separater Geschmack noch meist unbekannt ist, kann man ihn auch kurz mit herzhaft umschreiben. Jedoch beschränkt sich Umami nicht nur auf salzige Gerichte.



