31. Oktober 2010

Eine runde und knödelartige Speise


Ein gutes Essen ohne Dessert ist wie eine einäugige Schönheit.
Jean Anthelme Brillat-Savarin (1755 - 1826)

Deshalb (und weil das Archiv noch ein paar Dessert-Rezepte vertragen kann) habe ich mich vor kurzem erneut einer alten und großen Liebe zugewandt: Schokoladenpudding. Schon als Kleinkind ein Lieblings-Nachtisch von mir, habe ich ihn seitdem allerdings erstaunlich selten selbst gemacht. Ein paar Mal hatte ich es mit Puddingpulver versucht, war aber gar nicht begeistert: viel zu süß und zu wenig schokoladig.

Abb. 1

Auch nicht begeistert war ich von der klassischen Selbstkoch-Variante mit Stärke, Milch, Zucker und Kakaopulver. Egal, welchen Kakao ich auch verwendete – es schmeckte zu sehr nach Kakaopulver und zu wenig nach Schokolade.

Und genau dieser Gedanke hat mich dann endlich vor kurzem auf die Lösung gebracht: Schokolade statt Kakaopulver!


Außerdem wollte ich einen laktosefreien Pudding und habe die üblicherweise verwendete Kuhmilch durch Sojamilch ersetzt. Natürlich habe ich auch am Zuckergehalt gedreht, und nach nur einem Fehlversuch stand das Rezept für diesen herrlich schokoladigen, laktosefreien, nicht zu süßen Schokoladenpudding.

Abb. 2

Wer kann sich da vorstellen, daß die Urform dessen, was wir heute als Pudding kennen, um das 17. Jahrhundert herum als eine wurstähnliche Pastete aus Krebsfleisch, Hühnchen oder Rinderzunge begonnen hat?

Übrigens stammt das englische Wort pudding, wie das französiche boudin (Blutwurst), vom lateinischen botellus für Wurst. Es bezeichnete ursprünglich eine runde und knödelartige Speise, die durch Kochen im Wasserbad und anschließendes Auskühlen verfestigt wird. Noch heute bekanntes, bestes Beispiel dafür ist der englische Black Pudding - eine Art Blutwurst.



Schokoladenpudding

Als Sojamilch habe ich bisher Soya plus Calcium von Provamel und Natumi verwendet, weil diese ein wenig mehr nach dem schmecken, was man als ehemaliger Kuhmilch-Verwender geschmacklich gewohnt ist. Noch nicht probiert habe ich den Pudding mit "reiner" Sojamilch.
Wer es richtig schön schokoladig mag, nimmt die Höchstmenge an Schokolade und Zucker; etwas weniger intensiv wird es mit der geringeren Schokoladenmenge.
Man kann auch eine Mischung aus Zartbitter- und Vollmilchschokolade nehmen (dann ist es aber kein laktosefreier Pudding). Hier sollte allerdings berücksichtigt werden, daß Vollmilchschokolade generell süßer und weicher ist als Zartbitterschokolade: als Richtgröße zum Experimentieren würde ich bei 40 g heller und 80 g dunkler Schokolade auf 25 g Zucker reduzieren und die Stärke auf 22-25 g erhöhen.
Wenn der Pudding nicht im Ganzen in eine größere Schale zum Selbstbedienen, sondern portionsweise in Dessertschälchen gefüllt wird, empfehlen sich eher kleinere Portionsmengen, da er sehr sättigend ist. Pudding in einer größeren Schale hat den Vorteil, daß diejenigen, die die Haut nicht mögen, diese vor dem Servieren entfernen können (s. Abb. 2). Ich suche mir immer Schälchen mit möglichst großer Oberfläche raus - für extra viel Haut (s. Abb. 1).

Das Rezept läßt sich gut halbieren oder verdoppeln.

18 g Maisstärke
½ l Sojamilch (z.B. Natumi oder Provamel)
120 - 140 g Zartbitter-Schokolade
30 - 35 g Rohrohrzucker

Größere Dessertschüssel oder Portions-Dessertschälchen bereitstellen (Schälchen aus Glas auf ein feuchtes Tuch stellen*).
Die Stärke in einer Tasse abwiegen. Von der Sojamilch (vor dem Öffnen gut schütteln) 3 EL dazugeben und die Stärke verrühren bis sie vollständig aufgelöst ist.
Die restliche Sojamilch in einen Kochtopf füllen, die gestückelte Schokolade und den Zucker zugeben und unter leichtem Rühren zum Kochen bringen.
Sofort nach dem Aufkochen den Topf vom Herd nehmen und die angerührte Stärke mit einem Schneebesen zügig unterrühren. Noch einmal zurück auf den Herd und unter ständigem Rühren ganz kurz aufkochen lassen.
Sofort in eine größere Schale oder Dessertschälchen einfüllen und warm servieren oder abkühlen lassen.

Dazu schmeckt köstlich:
Vanillesauce (ggf. auch aus Sojamilch), Eierlikör, pürierte und leicht gesüßte Himbeeren, Sahne (flüssig oder geschlagen, dann ist es allerdings nicht mehr laktosefrei)


* das feuchte Tuch verhindert ein Zerspringen der Glasschälchen, wenn die kochendheiße Puddingmasse eingefüllt wird. Schälchen aus Porzellan vertragen den Hitzeschock ohne Vorsichtsmaßnahme.

5-8 Portionen.
Zubereitungsdauer ca. 20 Min.

3. Oktober 2010

Die leckersten Zucchini


(Dieses Rezept ist mit Laktose; es kommt aus der Zeit vor 2013, bevor ich den Blog auf gluten- und laktosefrei umgestellt habe)

Wieder zurück.
Es gab mehrere Gründe für die Pause, wobei der bedeutendste ist, daß ich diesen Blog nebenbei schreibe und in der letzten Zeit die Lebensbereiche einer höheren
Ordnungsstufe (Familie und Beruf) einfach mehr Platz beansprucht haben.


So mag es mittlerweile etwas spät sein für das heutige Rezept, das ich mir ausgesucht hatte, als es auf dem Markt noch Zucchini im Überfluß gab. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere noch ein paar Rest-Riesenexemplare und sucht Verwendung in Form von köstlichstem Zucchini-Gratin?

Sehr einfach in punkto Zutaten und Zubereitung bringt dieses Gratin den Eigengeschmack der Hauptzutat auf raffinierte Weise in den Vordergrund: der Trick ist die leicht geöffnete Ofentür, die dafür sorgt, daß die meiste Flüssigkeit aus dem berüchtigt wässrigen Gemüse verdampft - und herrliches Zucchini-Aroma übrigbleibt. Die leckersten Zucchini, die ich jemals gegessen habe!
Und aufgenommen in meine Reihe minimalistischer Rezepte (siehe z.B. hier, hier, hier und hier).



Nebenbei:

Bevor ich mit dem Schneiden der Zucchini loslegen konnte, machte es deren Durchmesser erforderlich, daß ich mir als Ergänzung zu meinem bewährten kleinen nun endlich einen Hobel mit Normalmaß zulegen mußte (o.k., ich wollte es auch).
Ein wunderbares Teil in Weitervererbungs-Qualität;
nicht billig, aber seinen Preis wert! Mein neuer Rösle-Hobel hat ebenso wie sein kleiner Bruder eine Hobelklinge, die nachkaufbar und auf elf verschiedene Schnittstärken einstellbar ist.


(Der Löffel dient als Anhaltspunkt für die Größe der Hobel)


 
Zucchini-Gratin
 
Adaptiert von lamiacucina

(Dieses Rezept ist mit Laktose; es kommt aus der Zeit vor 2013, bevor ich den Blog auf gluten- und laktosefrei umgestellt habe)

Die Zucchini sollen so groß sein, wie die, die man üblicherweise liegen läßt (weil man sie für zu wässrig und fade hält). Also mindestens zwei Handlängen lang und von ansehnlichem Durchmesser - groß genug für ein dicht belegtes Backblech.
Wichtig ist, nicht zuviel Sahne anzugießen, damit nicht zusätzliche Flüssigkeit verdampfen muß; dafür lieber ein paar Butterflöckchen mehr nehmen.
Während des Öffnens der Ofentür sollten die Temperaturknöpfe gegen Überhitzung geschützt werden (ich wickele dazu einen mehrlagigen Alufolie-Streifen um die Knopfleiste).
Alternativ soll es auch genügen, während der Backzeit die Ofentür etwa alle 5 Minuten für kurze Zeit ganz zu öffnen und dann bei geschlossener Tür weiterzugaren. Das habe ich allerdings noch nicht selbst getestet.
 

Butter
1-2 Riesen-Zucchini
Salz
Pfeffer
wenig Kräuter (z.B. Oregano)
Bergkäse, gerieben (2-4 EL,
je nach Vorliebe)
wenig Sahne (ca.
½ Tasse)

Das Backblech mit Butter einfetten.
Die Zucchini waschen und abtrocknen, nicht schälen. Je nach
Verholzungsgrad der Kerne mit oder ohne Kerne in ca. 2,5 - 3 mm breite Scheiben hobeln. Die Scheiben ziegelartig und relativ dicht aufeinander in Bahnen auf das Backblech legen (nicht mehrlagig, weil sonst zuviel Flüssigkeit verdampfen muß).

Salzen, pfeffern, die Kräuter und den Käse darauf verteilen. Die Sahne darübergießen und mit ein paar Butterflöckchen belegen.

Ofen auf ca. 250°C vorheizen. Das Backblech einschieben und die Ofentür mithilfe eines Holz-Kochlöffels leicht angelehnt lassen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
Etwa 40 Minuten backen, bis die Zucchini deutlich geschrumpft sind und der Belag leicht braun geworden ist.


2-4 Portionen (je nachdem, ob Hauptgericht oder Beilage).
Zubereitungsdauer ohne Backzeit ca. 20 Min.