13. Mai 2010

Für aufgeschlossene Waffel-Esser


Jetzt habe ich doch schon wieder was Süßes im Programm. Eigentlich wollte ich über einen Salat schreiben, aber dann stand mir der Sinn nach Abwechslung in meiner Wochenend-Frühstücksroutine, und mir fiel ein, daß ich vor kurzem etwas Leckeres im Blog 101 Cookbooks gesehen hatte.
Mit Vollkornmehl in Pfannkuchen, Muffins und anderen Gebäckstücken habe ich ja schon seit einer Weile erfolgreich experimentiert - aber in Waffeln?


Weil ich so neugierig auf das Ergebnis war, habe ich mich überwinden können, das Waffeleisen zu entstauben, obwohl es Frühling ist und nicht Winter (bisher gehörten selbstgemachte Waffeln für mich in die dunklere Jahreshälfte). Und es hat sich gelohnt!

Diese Waffeln sind köstlich. Vor allem, weil sie mit ihrer
säuerlich-frischen Note geschmacklich überraschen, irgendwie ein bißchen an Brot erinnern und angenehm un-süß sind. Das Rezept ist bestens geeignet für aufgeschlossene Waffel-Esser, die mal etwas anderes, als die klassische Variante probieren möchten und z.B. auch Buchweizen-Waffeln oder -Pfannkuchen mögen.


Ein paar Worte zum Vollkornmehl:

Ich habe Hafer- und Dinkelmehl verwendet; zum einen, weil ich Hafer liebe und zum anderen, weil ich nichts anderes im Haus hatte und mir die beiden sehr gut als Paar vorstellen konnte. Man kann auch gut andere Mehlsorten verwenden und
mehr als zwei Getreide kombinieren, wenn man darauf achtet, daß der Hauptanteil ein relativ "mildes" Getreide ist, wie Hafer, Gerste, Dinkel oder Weizen.
Weil ich eine Getreidemühle
habe und mein Hafermehl selbst mahle, weiß ich nicht adhoc, ob es überhaupt Hafermehl im (Bio-)Handel gibt. In manchen, meist kleineren Bioläden kann man sich das gewünschte Getreide mahlen lassen (hierzu gibt es nach dem Rezeptteil einen Kommentar und meine Antwort).

Wer aber weder Hafer- noch Gerstenmehl findet (oder mag), kann die Mehlmischung auch aus Vollkorn-Dinkel- und Vollkorn-Weizenmehl anrühren. Die Reste der (meistens) 1-kg-Packungen kann man peu à peu so aufbrauchen, indem man bei Pfannkuchen oder anderen Gebäcken ein Drittel bis die Hälfte der Weißmehl-Menge durch Vollkornmehl ersetzt. So kommt
vielleicht der eine oder andere ganz nebenbei auf den Geschmack und entdeckt, wie aromatisch Vollkornmehl ist. Außerdem ist das Sättigungsgefühl angenehmer und hält länger an.*


Übrigens: wer sich ein Waffeleisen zulegen möchte, sollte ein unbeschichtetes in Erwägung ziehen. Ich habe vor ein paar Jahren eines gesucht und bei Manufactum gefunden. Mittlerweile gibt es dort keines mehr ohne Antihaftbeschichtung - warum, ist mir ein Rätsel. Ich habe mit meinem unbeschichteten Werkhaus-Waffeleisen nur positive Erfahrung gemacht und bin vor allem begeistert vom Backergebnis. Das können bestimmt diejenigen nachvollziehen, die von Teflon- auf Gußeisen-Pfannen umgestiegen sind und das bessere Bratergebnis schätzen. Nebenbei: mein unbeschichtetes Waffeleisen muß nur vor der ersten Waffel mit einer Kleinstmenge Öl eingepinselt werden (die meisten Waffelteige enthalten genug Fett, sodaß kein Nachölen notwendig ist).
Der höhere Anschaffungspreis rechnet sich auch, wenn man berücksichtigt, daß hier keine Beschichtung kaputtgehen kann und es ein Stück zum Vererben ist.

* Das Ersetzen durch Vollkornmehl bei Backwerk, das aufgehen soll und nicht so "platt" bleibt wie Waffeln oder Pfannkuchen, geht aber nur mit Weizen, Dinkel und Roggen, nicht mit Hafer und Gerste (diese beiden haben andere Backeigenschaften).




Vollkorn-Waffeln oder Waffeln mit "Brotgeschmack"
Adaptiert von 101 Cookbooks


Der Teig läßt sich prima am Vorabend vorbereiten
, so daß man morgens nur noch die Butter verflüssigt, alles zusammenrührt und ausbackt. Die Beschreibung hierzu ist weiter unten.

Die Mehlsorten können variiert werden; hierzu habe ich im Hauptteil eine Erläuterung geschrieben und weiter unten Vorschläge gemacht.
Im Originalrezept wird Mohn verwendet. Ich habe ihn nicht extra hierfür kaufen wollen und daher ohne gemacht; vermißt habe ich ihn nicht, stelle es mir aber lecker vor.

Ich esse die Waffeln bestäubt mit Puderzucker, würde aber auch Ahornsirup oder Marmelade dazu servieren.
Weil ich manchmal zu faul bin, das Waffeleisen rauszuholen, werde ich aus dem Teig demnächst mal Pfannkuchen backen und hier berichten.
Aktualisierung:
Habe Pfannkuchen ausprobiert mit einer Vollkornmehl-Mischung aus Dinkel, Weizen und Roggen
(s. Variante c weiter unten) - mmmhh! Wobei der Teig als Waffel ohne Zweifel noch leckerer sein wird, da durch das Waffelmuster wesentlich mehr knusprige Oberfläche erzeugt wird.

90 g Butter

500 ml Buttermilch
2 Eier
(ggf. 1 geh. TL Mohn)

120 g Hafer-Vollkornmehl**
80 g Dinkel-Vollkornmehl**
2 geh. TL Backpulver, mögl. phosphatfrei (Weinstein-Backpulver)
2 TL Rohrohrzucker
1 TL Steinsalz

Puderzucker, Ahornsirup, Marmelade o.ä.

1. Die ersten drei Zutaten sollten beim Zusammenrühren Zimmertemperatur haben; deswegen möglichst frühzeitig aus dem Kühlschrank nehmen.
Die Butter zerlassen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.
Die Eier leicht verschlagen und in die Buttermilch rühren. Dann die flüssige Butter einrühren.

2. I
n einer größeren Schüssel Mehl, Backpulver, Zucker und Salz vermengen.

3.
Das Waffeleisen vorheizen.
Die Buttermilch-Mischung in die Mehlmischung geben. Alles nur gerade soweit verrühren, daß es einigermaßen vermengt ist; nicht ganz glatt rühren. Der Teig wird relativ dünnflüssig sein.

Je nach Waffeleisen zwei bis drei Eßlöffel Teig in die Mitte des heißen Eisens geben und schließen. Vor dem ersten Öffnen bzw. Nachsehen etwas warten, damit die Waffel eine kleine "Haut" bilden kann und sich nicht ungleichmäßig vom Eisen löst. Danach kann der Bräunungsgrad geprüft werden. Die Waffel je nach Vorliebe hell- bis goldbraun backen.

Werden die Waffeln nicht sofort gegessen, empfiehlt es sich, sie auf einem Kuchengitter abzulegen, damit sie nicht auf der Unterseite "schwitzen" und feucht werden. Die Waffeln können auch für kurze Zeit im nicht zu heißen Backofen auf dem Rost warmgehalten werden.
Mit Puderzucker, Ahornsirup, Marmelade o.ä. servieren.


Vorbereiten des Teiges am Vorabend:
Die Eier leicht verschlagen und mit der Buttermilch verrühren; abdecken und kalt stellen.
Die Mehlmischung herstellen:
Mehl, Backpulver, Zucker und Salz vermengen; abdecken.
Am nächsten Morgen:
Die Buttermilch-Ei-Mischung frühzeitig aus dem Kühlschrank nehmen. Die Butter
zerlassen, auf Zimmertemperatur abkühlen lassen und in die Buttermilch-Ei-Mischung einrühren.
Dann weiter mit Punkt 3.


-------

** andere Mehlmischungs-Vorschläge zum Ausprobieren:

a)
120 g Dinkel
-Vollkornmehl
80 g
Weizen-Vollkornmehl
---
b)
100 g Gersten
-Vollkornmehl
55 g Roggen
-Vollkornmehl
45 g Hafer
-Vollkornmehl
---
c)
100 g Dinkel
-Vollkornmehl
70 g Weizen
-Vollkornmehl
30 g Roggen
-Vollkornmehl


ca. 6-8 Waffeln mit herkömmlichem Waffeleisen.
Zubereitungsdauer (ohne Backen): ca. 20 Min.

10 Kommentare vorhanden • neuen Kommentar erstellen:

Anonym hat gesagt…

Liebe Martina,

kaum hatte ich das Waffelrezept gelesen, habe ich mich in den Bioladen begeben, um Hafer zu kaufen. Hafermehl gibt es natürlich nicht, also habe ich Nackthafer gekauft und gebeten, diesen zu mahlen. Die sehr junge Frau im Bioladen, ich denke, sie ist eine Auszubildende, hat dies auch auf Stufe 2 getan. Kaum war der Hafer gemahlen, kam eine ältere Kollegin dazu und meinte, dass Hafer nicht gemahlen werden könne, da die Körner zu weich seien. Ich meinte dann, dass ich aber über ein Rezept verfüge, welches Hafermehl vorgibt. Sie war sehr verwundert. Ich sagte ihr auch, dass du eine eigene Mühle besitzt und den Hafer mahlst. Nun war sie der Ansicht, dass es unterschiedliche Mühlen gibt und es möglich sein kann, dass du über eine Mühle verfügst, mit der das Mahlen von Hafer möglich sei. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir ein paar Argumente in die Hand gibst, damit ich beim nächsten Mal besser über das Mahlen von Hafer argumentieren kann.
Ansonsten hatte ich noch keine Zeit, das Waffelrezept auszuprobieren, aber das Wochenende steht ja vor der Tür.
Eva

Butter bei die Fische hat gesagt…

Liebe Eva,
da mußte ich mich jetzt erstmal schlau machen, mit folgendem Ergebnis:
Ich kann Hafer mahlen, weil meine Mühle ein Stahl-Mahlwerk hat. Dein Bioladen könnte eine Mühle mit Keramik-Mahlwerk haben; Mahlwerke aus Keramik können zwar Hafer schroten, aber oft nicht mahlen, weil sie sonst verstopfen. Grund ist der hohe Fettgehalt vom Hafer (deswegen mag ich ihn wohl auch so gern...). Bei Gerste sieht es ähnlich aus.
Mein Mahlwerk kann ich sogar auseinandernehmen und waschen; deswegen bin ich nicht auf die Idee gekommen, daß es da Probleme geben könnte. Ich ging eher davon aus, daß alles, was MEINE Mühle kann, die Mühlen in Bioläden ohnehin können, bloß noch viel schneller und leiser...

Also ist es für Dich bzw. alle diejenigen, die keine Mühle mit Stahl-Mahlwerk haben, wahrscheinlich am besten, die Variante a) oder c) von meinen Mehlmischungs-Beispielen am Rezeptende zu probieren. Ich werde es mal am Wochenende testen und das Ergebnis im Rezeptteil ergänzen.

Danke Dir sehr für Deine schnelle Rückmeldung, so daß das gleich geklärt werden konnte.
Martina

Anonym hat gesagt…

Hallo Martina,

vielen Dank für die schnelle Antwort auf das Hafermehl-Problem. Ich werde also in Zukunft im Voraus fragen, ob der Hafer gemahlen werden kann oder nicht.
Am Sonntag gab es dann endlich die Waffeln, die auch schön knusperig geworden sind. Und heute gibt es sie schon wieder. Mal sehen, welche Beilage die Waffeln schmücken wird.

Eva

Butter bei die Fische hat gesagt…

Hallo Eva,
ich habe sie ja inzwischen auch mit "normalen" Vollkornmehlen probiert und fand es köstlich - es muß also nicht Hafer sein...
Martina

Anonym hat gesagt…

Hallo Martina,

vorgestern sind zwei Waffeln übrig geblieben, die ich dann gestern morgen getoastet und zum Frühstück gegessen habe. Ich war ehrlich über das gute Ergebnis überrascht.

Eva

Butter bei die Fische hat gesagt…

Hallo Eva,
klasse - das probiere ich beim nächsten Mal auch!
Martina

Anonym hat gesagt…

Hallo Martina,

hier noch ein Nachtrag zum Thema "Hafermehl".
Ich war heute im Reformhaus und habe einfach mal gefragt, ob sie Hafermehl hätten. Und siehe da, sie hatten. Hafermehl gibt es von Holo in einer 330g-Packung zum Preis von € 1,95. Ich werde es demnächst mal ausprobieren.

Eva

Butter bei die Fische hat gesagt…

Hallo Eva,
herzlichen Dank für alle Deine Rückmeldungen!
Daß es im Reformhaus Amaranth-, Quinoa-, Traubenkernmehl etc. gibt, wußte ich zwar, nicht aber, daß man dort auch so etwas "Gewöhnliches" wie Hafermehl bekommt. Ich werde es demnächst auch mal testen.
Martina

Anonym hat gesagt…

Ich hätte eher eine Frage zu dem Waffeleisen! Das sieht so ähnlich aus wie das von meiner Oma, und scheint die Waffeln sehr dünn und 4-eckig zu backen, auch in 3 Teilen??? Darf ich fragen wo du es her hast, denn ich bin schon lange auf der Suche nach genau so einem Waffeleisen.

Butter bei die Fische hat gesagt…

Ja, die Waffeln sind rechteckig, in zwei Teilen und werden dünner als die üblichen Herzwaffeln aus den Teflon-Waffelgeräten. Zu Anfang hatte mich das Dünne sehr gestört, weil ich eigentlich die "typischen" dicken Belgischen Waffeln im Kopf hatte als ich es kaufte. Inzwischen ist es genau umgekehrt: ich lasse jede dickere Waffel für diese dünnen stehen, die eine herrlich zarte Knusperschicht haben.

Ich hatte vor ca. 10 Jahre ein Waffeleisen ohne Beschichtung gesucht und es schließlich bei Manufactum gefunden, die es aber mittlerweile nicht mehr führen. Hier ist der Link direkt zum Hersteller "Werkhaus"; dort gibt es auch noch andere Formen:
http://www.kleinenet.de/waffeleisen.html#2

Regulär wird es dort mit der (vollkommen überflüssigen) Teflon-Beschichtung angeboten, man kann es aber auf Wunsch auch ohne bekommen - meines Wissens der einzige Hersteller, der unbeschichtete (nicht gewerbliche) Waffeleisen anbietet!
Noch ein Wort zum Preis: das Gerät hat vor ein paar Jahren ca. 160 Euro gekostet. Das hört sich nach viel an - ist es tatsächlich aber nur auf den ersten Blick, wenn man bedenkt, daß dieses Waffeleisen nie eine zerfledderte Teflon-Schicht haben wird und bei guter Pflege Super-Weitervererbungs-Qualität hat!

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