21. Januar 2010

Mit Blitz mache ich nicht


Es ist eine Weile her, ich weiß. Ich war nicht etwa im Winterschlaf - ich wartete auf Licht!
Weihnachten ist gerade vorbei und schon wünsche ich mir wieder etwas: ein lichtstärkeres Objektiv! Bei diesem trüben Licht gibt es mit meinem Objektiv einfach keine gescheiten Aufnahmen ohne Blitz. Und mit Blitz mache ich nicht.
Seit geschlagenen zwei Wochen versuche ich, diesen Beitrag fertigzustellen - entweder war es sogar zur hellsten Tageszeit zu düster oder ich konnte es in der einzig "hellen" Viertelstunde des Tages zeitlich nicht einrichten zu fotografieren...
Aber gestern habe ich endlich zugeschlagen!


Und meine Gäste auch, als es kürzlich diese gebackenen Chicorée-Fächer gab. So herrlich sie aussehen, so einfach sind sie zuzubereiten: Chicorée zerteilen, ölen, salzen und für 15 Minuten in den Ofen. Warm oder kalt gegessen ein Schmaus!
Der Chicorée entwickelt durch das Garen ein delikates Aroma, das ich ihm im rohen Zustand nie zugetraut hätte: zart-süßlich mit einem feinherben Kick. Beim rohen Chicorée stört mich das Feinherbe, hier paßt es perfekt. Und weil er trotz der 15 Minuten in der Röhre noch "al dente" bleibt, macht es auch richtig Spaß, ihn zu zerbeißen.


Ich kenne das Gericht aus unserem letzten Sommerurlaub in Südtirol und habe es dann zuhause nach Gefühl und Erinnerung gemacht. Bis auf den Unterschied, daß in der Originalversion der Chicorée gegrillt ist und ich ihn, weil ich leider keinen Grill im Ofen habe, nur backen kann, ist es ziemlich authentisch.

Obwohl der Chicorée also erst seit
einem halben Jahr in meinem Repertoire ist, ist er schon Dutzende Male gemacht; ich würde ihn zweifellos gern einen Klassiker nennen, wenn er nicht erst so kurz dabei wäre...





Gebackene Chicorée-Fächer

Beim Einkauf darauf achten, daß die Chicorée-Sprossen fest verschlossen sind und keine braunen Flecken haben. Die Blätter müssen eine schimmernde, weiß-gelbliche Färbung aufweisen.
Bei Licht entwickelt Chicorée einen Bitterstoff (Intybin). Der ist in Maßen sogar erwünscht, weil er Magen und Darm, Leber und Galle gut tut. Bekommt der Chicorée aber zuviel Licht ab, wird er grün und schmeckt zu bitter. Man sollte nur Chicorée kaufen, der gut abgedeckt präsentiert wird, denn Chicorée speichert Licht; er merkt sich jede Minute und wird immer ein wenig bitterer - auch wenn er noch nicht "richtig" grün ist. Auch zuhause im Kühlschrank sollte Chicorée immer eingeschlagen bleiben. Dann schmeckt er am besten und enthält trotzdem eine gesunde, aber schmackhafte Portion Bitterstoffe.
Übrigens: Bio-Chicorée zieht nicht soviel Saft und schmeckt vollmundiger.


2 Chicorée-Sprossen
Olivenöl
Salz

Eine Auflaufform oder - bei einer größeren Menge - die Ofenpfanne mit Olivenöl einpinseln.
Vom Chicorée die äußeren Blätter entfernen, die matt, beschädigt oder braun sind. Die Anschnittfläche an der Unterseite der Sprosse frisch abschneiden, so daß sie weiß ist; aber nicht zuviel wegschneiden, weil der Strunk ja noch die Blätter zusammenhalten soll. Den Chicorée kurz abspülen.
Jede Sprosse längs halbieren und die Hälften je nach Dicke nochmals längs halbieren bzw. dritteln.
Die Fächer mit der Schnittfläche nach unten in die geölte Auflaufform legen.
Mit etwas Salz bestreuen.
Im vorgeheizten Ofen bei fast höchster Stufe ca. 15 Minuten backen bzw. so lange, bis die nach unten zeigenden Schnittflächen gebräunt sind (hängt sehr stark vom jeweiligen Ofen ab; jeder Ofen benimmt sich anders). Die Form sollte auf jeden Fall so eingeschoben werden, daß sie möglichst viel Unterhitze abbekommt.

Alternativ kann man das Ganze natürlich auch grillen; entweder auf dem Freiluft- oder im Backofen-Grill. Dann die Sprossen mit wenig Öl bepinseln, leicht salzen und
die Schnittflächen in Richtung Hitzequelle zeigen lassen. Hierzu kann ich keine Garzeiten-Angaben machen, weil ich leider keinen Grill besitze.

Die fertigen Chicorée-Fächer sind - warm oder kalt -
ein Gedicht. Sie halten sich abgedeckt im Kühlschrank mindestens 3 Tage (theoretisch auch länger, aber dann verlieren sie zuviel Aroma).

2 Portionen als Vorspeise.
Zubereitungsdauer ohne Backen ca. 10 Min.

7 Kommentare vorhanden • neuen Kommentar erstellen:

multikulinaria hat gesagt…

Ich liebe Chicoree total. Vor allem gekocht. Gegrillt habe ich ihn noch nie probiert. Wird nachgeholt...

Butter bei die Fische hat gesagt…

Hi Claudi,
Du hast mich (in einem anderen Beitrag; Apfelkuchen) gefragt, was ich zu den Chicorée-Fächern serviere.
Ich mache sie mir oft für's Abendbrot als Extra-Beilage zum Drauffreuen und auch einfach für zwischendurch, z.B. wenn mich mitten am Vormittag mein berühmter Heißhunger überfällt. Als Bestandteil eines Hauptgerichts habe ich sie noch nicht gemacht, weil ich finde, daß ihnen ein Alleinauftritt gebührt.
Denkbar wäre für mich ein dezenter Begleiter wie selbstgemachter Kartoffelbrei oder Kartoffelgratin. Gut passen sie auch zu einem Salatbuffet.
Gruß, Martina

Anonym hat gesagt…

Gebe Dir Recht, hatte auch mehr an einen Dip oder Vinaigrette und evtl. rohen Schinken gedacht. Mal sehen was mir dazu einfällt, ich lasse es Dich wissen.
VG,
Claudi

Anonym hat gesagt…

Es hat mir besser geschmeckt als ich dachte; viel besser! Ich hatte rohen Schinken aus Südtirol dazu und diese Sauce von lamiacucina (ohne Oliven)http://lamiacucina.wordpress.com/2010/03/02/radicchio-und-chicoree-vom-blech
Fand ich gut dazu. Ansonsten könnte ich mir noch eine Sauce Gribiche dazu vorstellen, z.B. diese hier:
http://www.davidlebovitz.com/archives/2009/08/_sauce_gribiche_au_pif.html

VG,
Claudi

Butter bei die Fische hat gesagt…

Danke für Deine Rückmeldung, Claudi. Freut mich, daß es Dir geschmeckt hat. Ich habe es auch grad letzte Woche wieder gegessen, allerdings wie immer ganz pur.
Deine Links zeigt Blogger nicht vollständig an, warum, weiß ich nicht. Wer sie ansehen möchte, sucht bei lamiacucina.wordpress.com nach dem Eintrag vom 2.3.2010 und bei davidlebovitz.com nach dem Eintrag vom 26.8.2009.
Gruß, Martina

lisocla hat gesagt…

Liebe Martina,
die "Fächer" letzte Woche bei Dir waren toll. Ich hätte davon sogar eine Riesenportion als Hauptspeise essen können :-)
Gruß, Ulrike

Butter bei die Fische hat gesagt…

Danke Ulrike! Merke ich mir für's nächste Mal...
Gruß, Martina

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