17. November 2009

Rauchig, frisch, süß und blumig


Das
Zitat von Brillat-Savarin (s. rechts) scheint extra geschrieben zu sein für dieses Linsen-Chili: ich hätte nie gedacht, daß ich jemals gern Scharfes essen würde - eine komplett neue und köstliche Geschmackswelt hat sich da für mich aufgetan!
Jetzt überfällt mich manchmal ein riesiger Heißhunger auf dieses Chili, und dann kann ich es nicht abwarten, bis es wieder auf dem Tisch steht
. Mir läuft sogar beim bloßen Schreiben darüber das Wasser im Mund zusammen! Und das, wo ich früher nicht einmal ansatzweise verstehen konnte, wie man sich freiwillig diese Schmerzen im Mund antun mag...

 
Weil Chili in meinem Leben also sehr neu ist, wollte ich mehr darüber erfahren und habe dafür die äußerst umfassenden Gewürzseiten von Gernot Katzer zu Rate gezogen, die auch für über 100 andere Gewürze eine super Informationsquelle sind. Jetzt weiß ich zumindest theoretisch, daß, wer sich einmal an das Feuer im Mund gewöhnt hat, zusätzlich zur Schärfe des Chilis dessen Geschmacksnuancen erkennen kann, die fruchtig, erdig, rauchig, frisch, süß und blumig sein können. Wie gesagt: alles Neuland für mich.

Zur Info: der Chili ist die Pflanze und das Chili die Kurzform für ein Gericht aus Chili.

Gernot Katzer über Chilis:
"
Nach einiger Erfahrung mit würzigem Essen entwickeln die meisten Personen die Fähigkeit, Aromen auch hinter der Chilischärfe wahrzunehmen, und ich meine tatsächlich, daß Chilis den Geschmack anderer Zutaten betonen und erweitern."
"Die Zucht von Chilis wird in Deutschland (vermutlich auch anderswo) ein immer beliebteres Hobby. Dieser Trend kommt (natürlich) aus den USA, wo der Anbau von Chilis im eigenen Garten Anfang der Neunziger geradezu zu einem Volkssport wurde. Die Verfügbarkeit neuer, aufregender Chilisorten könnte hierzulande die Geschmacksvorlieben genauso revolutionieren, wie das in den USA bereits eingetreten ist."

 
Interessant finde ich auch, daß erst vor etwa 60 Jahren die relativ milden Gemüsepaprika gezüchtet wurden, die fast keine Scharfstoffe mehr enthalten. Chilis, also die scharfen Früchte der Paprikapflanzen wurden aber schon um 4.000 v. Chr. in Südamerika kultiviert.

Ein paar Worte zum Kreuzkümmel: für dieses Rezept wird zwar nur ein halber Teelöffel davon benötigt, aber der muß unbedingt hinein. Sonst schmeckt das Chili einfach nicht so wie es soll! Kreuzkümmel hat übrigens mit Kümmel wenig zu tun: beide haben ein paar gemeinsame äußere Merkmale, aber ihr Geschmack ist völlig unterschiedlich. Da Kreuzkümmel ätherische Öle enthält, deren Wirkstoffe die Verdauung fördern, kann man ihn auch ansonsten sehr gut in anderen Gerichten mit Hülsenfrüchten verwenden.

Linsensuppen haben mich immer schon rundum zufrieden gemacht - dieses fantastische Linsen-Chili aber ganz besonders! Perfekt dazu ist übrigens Maisbrot mit seiner milden Süße - für mich hier ein viel passenderer Begleiter als "richtiges" Brot.




Linsen-Chili "Pierce Street"
Adaptiert von 101 Cookbooks

Man benötigt nicht unbedingt beides, Cayenne-Pfeffer und Sambal Oelek, aber weil sie doch unterschiedlich schmecken, ergeben sie zusammen vielfältigere Schärfe-Nuancen.

Am allerbesten ist es natürlich, schon beim Kochen vorsichtig zu dosieren; nachwürzen kann man ja immer noch. Aber wenn es doch zu scharf geraten ist, helfen Getränke (außer Milch) überhaupt nicht! Damit wird es nur noch schlimmer. Der Chili-Schärfewirkstoff Capsaicin ist nicht wasser- sondern fettlöslich, und daher nimmt man lieber Milchprodukte wie Vollmilch, Eiscreme oder Joghurt zu Hilfe. Mir genügt es meistens, zum Löschen etwas Brot zu essen.

Wer nicht sowieso ein Linsen-Fan ist und mehrere Linsensorten zuhause hat, braucht nicht extra für dieses Rezept schwarze Linsen zu kaufen, sondern nimmt dann einfach insgesamt 250 g grüne Linsen. Ein paar generelle Infos über Linsen finden sich hier.

Im Originalrezept werden Bulgur (vorgekochter und zerkleinerter Weizen) und geschroteter Dinkel sowie Kichererbsen verwendet. Ich habe es ausprobiert und finde, daß es nicht unbedingt notwendig ist, Bulgur und Dinkel zu verwenden. Nach meiner Umstellung auf glutenfrei dachte ich schon, ich müsste jetzt immer auf diesen Lieblingseintopf verzichten - bis ich Buchweizen-Bulgur im Bioladen entdeckt hatte (von Erdmannhauser). Schmeckt super! Die Kichererbsen habe ich nur ein einziges Mal im Linsen-Chili gehabt, weil es mir ohne viel besser schmeckt; irgendwie empfand ich ihre Konsistenz und Größe als störend. Wer es aber ausprobieren möchte, gibt zusammen mit den Linsen eine gute halbe Tasse gekochter Kichererbsen dazu.

Für die Gemüsebrühe nehme ich Gemüse-Hefebrühe von Vitam (Konzentratpaste im Glas; gibt's im Reformhaus oder Bioladen, weiß aber nicht, ob sie glutenfrei ist). Welche Brühe auch immer - es sollte eine sein, die auch „solo“ sehr gut schmeckt!

2 EL Olivenöl
½ TL gem. Kreuzkümmel (Kumin)
knapp 
¼ TL Cayenne-Pfeffer
1 Dose gestückelte Tomaten (400 g)
½ TL Sambal Oelek
1¼ l Gemüsebrühe
150 g grüne Linsen
100 g schwarze Linsen
70 g Buchweizen-Bulgur (von Erdmannhauser) oder 100 g geschroteter Dinkel (nicht glutenfrei!)
1 TL Salz
1 EL frischer geriebener Ingwer

In einem großen Topf mit gut schließendem Deckel das Öl erhitzen.
(Mein Topf ist 22 cm Ø, 10 cm hoch und gerade groß genug)
Den Kreuzkümmel und Cayenne-Pfeffer hinzugeben und unter ständigem Rühren etwa eine Minute bei mittlerer Hitze schmoren.

Mit den Tomaten, dem Sambal Oelek und 1 Liter Gemüsebrühe auffüllen.
Die Linsen und den Bulgur hinzugeben und zum Kochen bringen. Nach dem Aufkochen auf Köchelstufe für 40 Minuten garen.
Nach den ersten 20 Minuten Kochzeit das Salz zugeben und den Rest der Brühe. Am Ende der Garzeit den Ingwer unterrühren, ggf. mit mehr Wasser auffüllen (je nachdem, wie dick man das Chili gern mag) und abschmecken mit Salz, Sambal Oelek und/oder Cayenne-Pfeffer.

Das Originalrezept schlägt als Garnierung etwas zerbröckelten Feta vor oder ein paar Tropfen Olivenöl, gesalzenen Joghurt oder kleingeschnittene, frische Chilischoten. Ich für meinen Teil finde, dem Linsen-Chili fehlt rein gar nichts, wenn es ohne Garnierung bleibt.

Das Chili schmeckt aufgewärmt sogar noch besser und läßt sich auch prima einfrieren.

Etwa 6 Portionen.
Zubereitungszeit inkl. Kochen: knappe 60 Min., die es wert sind.

1. November 2009

Ich war auf der Suche


(Dieses Rezept ist mit Gluten und Laktose; es kommt aus der Zeit vor 2013, bevor ich den Blog auf gluten- und laktosefrei umgestellt habe)

Ich weiß nicht, warum es zwischen Äpfeln und mir nie so richtig „klick“ gemacht hat. Schon im Kindergarten habe ich es als regelrechte Aufgabe empfunden, meinen Frühstücksapfel aufzuessen. Dabei wollte ich Äpfel immer mögen! Und so sehr ich mich bemüht habe, ist es mir bis heute nicht ganz geglückt.

Darüber zu schreiben würde in meinem Food-Blog wenig Sinn machen, gäbe es nicht ein großes Aber: wenn ein Apfel aus dem Ofen kommt, sieht das Ganze bei mir vollkommen anders aus! Sei es als Bratapfel, auf Pfannkuchen oder in Kuchenform - sobald sich der himmlische Duft von garenden Äpfeln in meine Nase schleicht, ist es um mich geschehen. Dieser Duftcocktail scheint ganz besondere Verführungskünste zu haben.


Lange Rede, kurzer Sinn – es geht um den Geburtstagskuchen für unsere Nachbarin Ulrike. Ich war auf der Suche nach einem eher unklassischen Apfelkuchenrezept, als mir in meinem Kochbuch aus Kanada ein Kuchenrezept auffiel mit einem Boden aus Haferflocken und einem Belag aus zitronengeküssten Äpfeln.




Während der Zubereitung allerdings hatte ich ein ganz komisches Gefühl, weil mir der Boden so gar nicht wie eine zusammenhängende Masse vorkam, sondern eher aussah wie die Vorbereitung einer Crunchy-Mischung und viel zu dünn. Außerdem schien mir der Belag zu sauer. Das Ganze war überhaupt nicht so, wie ich mir vorgestellt hatte, und ich bereute schon sehr, mich nicht doch an einen bewährten Klassiker gehalten zu haben.


Aber was für eine Überraschung!
Wir waren zu viert und haben den Kuchen nicht nur alle außerordentlich köstlich gefunden, sondern innerhalb einer halben Stunde komplett vernascht. Von der Textur her ist er ein eher rustikaler Apfelkuchen, aber geschmacklich sehr fein und vielschichtig. Die Chantilly-Sahne dazu war das Tüpfelchen auf dem i, aber auch ohne sie ist dieser Kuchen ein absoluter „Keeper“.






Apfelkuchen mit Haferflockenboden und zitronengeküssten Äpfeln
Adaptiert von Mollie Katzen: The Enchanted Broccoli Forest

(Dieses Rezept ist mit Gluten und Laktose; es kommt aus der Zeit vor 2013, bevor ich den Blog auf gluten- und laktosefrei umgestellt habe)

Dieses ist eines der wenigen Apfelkuchenrezepte, bei dem die leckere und gesunde Apfelschale mitverwendet wird. Und er ist ohne Ei und Hefe!
Weil mir der Geschmack von Honig, auch von mildem, immer zu dominant ist, habe ich
den im Originalrezept angegebenen Honig durch Rohrohrzucker ersetzt. Das leichte Karamellaroma des Zuckers paßt hier wunderbar.

Wer (wie ich) Wert auf Bio-Nüsse legt, wird vielleicht feststellen, daß es in den meisten Bioläden gemahlene Nüsse nur in gerösteter Version gibt. Ich habe sie in ein paar Rezepten ausprobiert und finde, daß sie den Geschmack der anderen Zutaten zu sehr dominieren; es sei denn, es ist ein Röstaroma beabsichtigt. Ungeröstete gemahlene Bio-Nüsse gibt es im Reformhaus, und natürlich kann man
Nüsse auch selbst mahlen. Eventuelle Nußreste schmecken sehr gut über Müsli oder Salate gestreut.
(Der ungegarte Boden sieht auf dem Foto recht dunkel aus, was daran liegt, daß ich hier Vollrohrzucker genommen habe, der von Natur aus dunkel ist.)
Der Kuchenboden läßt sich prima vorbereiten:
entweder alle trockenen Bodenzutaten vermengen und dann direkt vor dem Backen nur noch die Butter dazugeben oder den Boden gleich komplett fertigmachen, in die Springform füllen und abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren.

Man kann auch andere Apfelsorten als Boskop nehmen, sollte aber darauf achten, daß es Kochäpfel sind, die säuerlich schmecken. Eine Alternative wäre Cox Orange oder Jonagold, wobei letzterer eingeschränkt empfehlenswert ist, weil er schon fast zu süß ist. Tafeläpfel, also Apfelsorten, die nach dem Backen fest bleiben, wie z.B. Granny Smith oder Gala Royal, sind hierfür nicht geeignet.

Boden

110 g Butter
4 EL Rohrohrzucker (70-80 g)
140 g Haferflocken (Kleinblatt)
60 g Mehl (Weizen oder Dinkel), kann gern Vollkornmehl sein
½ TL Steinsalz
2 gehäufte EL gemahlene Nüsse, z.B. Hasel- oder Cashewnüsse; je nach Vorliebe
½ TL gemahlene Vanille oder Vanillemark
2 TL Mohn oder Sesam, optional

*****

Belag

½ Bio-Zitrone
4-5 Boskop-Äpfel (ca. 800 g)
90 g Rohrohrzucker
2 EL Mehl, Type 405 oder 550, kein Vollkorn
1 gestr. TL gemahlener Zimt
2 Msp. gemahlener Muskat

Für den Boden die Butter schmelzen und abkühlen lassen.
Alle anderen Boden-Zutaten gründlich miteinander vermengen.
Dann die flüssige Butter dazugeben und nochmals vermengen. Die Masse in eine Springform füllen und gleichmäßig am Boden festdrücken.

Für den Belag
die Zitrone heiß abwaschen, abtrocknen, die Schale abreiben, und die Zitronenhälfte auspressen.
Die Äpfel waschen, vierteln und die Kerngehäuse entfernen. In mitteldicke Scheiben
(ca. 3 mm) hobeln und in einer Schüssel vorsichtig mit dem Zitronensaft, der Zitronenschale und dem Zucker vermengen.
Das Mehl darüber sieben und die Gewürze hinzugeben; wieder vorsichtig vermengen.
Die Apfelmischung gleichmäßig auf der Haferflockenmischung verteilen.

Im vorgeheizten Backofen bei ca. 175°C für ca. 35-45 Minuten backen.
Nach 20 Minuten Backzeit die Apfelschicht mit der Rückseite eines Eßlöffels leicht herunterdrücken.

Warm oder kalt servieren.
Ggf. Schlagsahne oder Chantilly-Sahne dazu reichen.

Der Kuchen läßt sich prima einfrieren.

Zubereitungsdauer ohne Backen 30-40 Min.

(Ich hatte übrigens alternativ die Äpfel mal in ca. 1 cm große Würfel geschnitten, statt in Scheiben, weil ich vermutete, daß der Belag dann beim Verspeisen nicht so "rutschig" sein würde. Ergebnis: ausprobiert und nicht gut, weil der Belag trotzdem rutscht beim Kuchengabel-Reinstechen und die Apfelwürfel längst nicht so dekorativ sind wie die -scheiben. Es sind also nicht die großflächigeren Apfelscheiben, weshalb der Belag rutscht, sondern die leicht mit Mehl gebundene Apfel-Feuchtigkeit. Da nehme ich doch gern ein wenig Rutschen hin...)