15. September 2009

Eine angemessene Belohnung


Am Samstag vor einer Woche hatte ich auf dem Markt Tomaten gekauft, die ich dann aber leider doch nicht essen konnte, weil ich irgendetwas mit dem Bauch hatte und erstmal Schonkost angesagt war. Eine Woche später waren die Tomaten dann zwar noch gut, aber doch deutlich reifer und zu weich für Salate und zum Pur-Essen; genauer gesagt waren sie kurz davor, zu verderben.

Es gibt da ein Rezept, das allerbestens geeignet ist, einem Haufen reifer Tomaten Herr zu werden. Noch dazu ist es unglaublich einfach (wieder einmal mehr Formel als Rezept): halbierte Tomaten ölen, würzen und ab in den Ofen. Nach drei Stunden bei niedriger Temperatur raus und entweder pur genießen oder mit Mozzarella anrichten – fertig!
Fan.tas.tisch!!

Da ist erst einmal die malerische Schönheit: das wässrige Rot der rohen Tomaten hat sich in eine tiefrote, satte Farbe verwandelt; die festen Bestandteile der Tomate wie Schale, Kerne und Trennwände sehen so schön aus, daß man nicht auf den Gedanken kommen würde, es könne jemals nötig sein, sie zu entfernen. Und dann der Geschmack: die aromatische Säure der rohen Tomaten hat sich gewandelt in eine
köstliche, nuancenreiche Süße mit nur noch einem Hauch von Säure im Hintergrund.
Weil ich ja weiß, welcher Schmaus mich nach drei Stunden
Backzeit erwartet, ist die lange Wartezeit besonders schwer zu ertragen... Allerdings ist allein der himmlische Duft, der sich nach und nach ausbreitet, eine angemessene Belohnung!
Man könnte meinen, daß in vergangenen Zeiten aus solchen gebackenen Tomaten auch mal Ketchup gemacht wurde - ein Ketchup, der es nicht nötig hatte, daß Zucker zugesetzt wurde, sondern der seine Süße auf natürlichem Weg bekam...




Langsam gebackene Tomaten
Adaptiert von Homes & Gardens 4/2009
Ich glaube, ich habe schon erwähnt, daß einer meiner beiden Lieblingsstände auf dem Wochenmarkt herrliche Kartoffeln hat. Genau dort gibt es auch die allerbesten Campari-Tomaten, für die ich mich samstagmorgens sputen muß, um noch welche abzubekommen. Es sind bestimmt auch andere Sorten geeignet, Bedingung aber ist, daß die Tomate auch im Rohzustand ein volles Aroma hat. Obwohl dieses langsame Backen in der Lage ist, aus fast allen Tomaten das Beste herauszuholen, ist es doch empfehlenswert, die aromatischsten zu kaufen. Denn gerade bei nur zwei bis drei Zutaten ist deren Qualität alles-entscheidend.
Die gebackenen Tomaten halten sich abgedeckt eine Weile im Kühlschrank; wie lange genau konnte ich noch nicht testen – sie waren immer zu schnell futsch...
Ich habe mich hier an einer Variante des klassischen Insalata Caprese versucht. Ein sehr guter Kompagnon für die Tomaten ist auch ein Kartoffelgratin oder Nudeln mit Käsesauce. Und
mit etwas Rucola und Schafskäse kann man daraus ein saftiges Sandwich machen. Also ruhig eine größere Menge backen!

reife Tomaten
Olivenöl
Stein- oder Meersalz
Pfeffer

*****
 

laktosefreien Mozzarella
Basilikum (rotes oder grünes)
Balsamico-Essig
Olivenöl
Die Tomaten waschen, halbieren und den Strunk entfernen. Je nach Menge auf ein Backblech oder in eine feuerfeste Form legen. Mit Olivenöl bepinseln (oder einfach darüberträufeln) und mit Salz und Pfeffer würzen.

Im vorgeheizten Backofen bei 120-150
°C für 3-4 Stunden backen bzw. so lange, bis die Tomaten auf etwa die Hälfte ihrer Originalgröße geschrumpft sind. Die Backzeit hängt stark vom jeweiligen Ofen ab - wichtig ist, daß die Hitze anfangs nicht zu hoch eingestellt wird, damit die Tomaten nicht dunkel werden bevor sie schrumplig geworden sind. Also lieber mit niedrigerer Temperatur starten, damit die Tomaten wirklich mindestens 3 Stunden backen. Sie müssen sichtbar an Masse verloren haben, tiefrot sein und beginnen zu schrumpeln, bevor die Temperatur ggf. höher gedreht wird.
(Je länger die Backzeit, desto intensiver das Aroma der gebackenen Tomaten. Allerdings sollte man sie herausnehmen, wenn sie zu bräunen anfangen.)
Dann herausnehmen und abkühlen lassen.

Für den Salat den Mozzarella in kleine Stücke zupfen und mit den Tomaten und dem Basilikum auf einem großen Teller anrichten. Mit dem Öl und Essig beträufeln.