25. Juli 2009

Minimalistisch


Einer meiner beiden Lieblings-Marktstände hat die wunderbarsten Karlena-Kartoffeln! Und vor allem: jetzt zu Saisonbeginn gibt es für nur kurze Zeit die allerkleinsten Exemplare, die so köstlich sind, dass ich mich das ganze Jahr darauf freue!
Die kleinsten sind für dieses Gericht am allerleckersten weil sie die größte Oberfläche und damit die meiste Schale haben (die Schale trägt die Gewürzaromen und wird mitgegessen). Das Ganze geht natürlich auch mit anderen Kartoffelsorten Hauptsache winzig!


Einfach.
Anspruchslos. Minimalistisch.
Aber so einfach das Gericht zuzubereiten ist, so schwierig ist es, davon ein Foto zu machen, das auch nur annähernd den köstlichen Geschmack vermittelt! Also, auch wenn das Foto nicht so verführerisch aussieht, wie es angemessen wäre: bitte unbedingt machen! Allein der Duft beim Backen ist ein Genuss!




Übrigens kaufe ich auch deshalb so gern bei diesem einen Marktstand, weil dort die Kartoffeln (und das Gemüse) oft von einer schützenden und feuchtigkeitsspendenden Erdschicht umhüllt sind. Es ist wirklich erstaunlich, wieviel länger diese Kartoffeln frisch bleiben! Das beste Konservierungsmittel!
Und ich
bekomme auch gleich einen meiner liebsten Düfte dazu: feuchte Erde!! So als hätte ich die Kartoffeln gerade höchstpersönlich aus dem Acker geholt...

Leider wagen es nicht mehr viele Marktanbieter, geschweige denn Supermärkte, ungewaschene Kartoffeln und Gemüse anzubieten
die meisten Verbraucher sind mittlerweile so sehr an den Anblick von "sauberem" Gemüse gewöhnt, dass sie das erdbehaftete aus optischen Gründen nicht kaufen würden.



Ofen-
Babykartoffeln

Heute gibt es mal kein "richtiges" Rezept mit Mengen eher eine formel-ähnliche Anleitung. Es ist übrigens auch ein ideales Gericht für Koch-Anfänger, und wenn man es einmal gemacht hat, braucht man es kaum mehr nachzulesen.

Möglichst die allerkleinsten Kartöffelchen kaufen, die es gibt! Die Babykartoffeln gibt es nicht so oft in Geschäften, sondern meistens bei Bauern auf dem Markt. Es kann sogar sein, dass man gezielt danach fragen muss einige Bauern bringen die kleinen Exemplare gar nicht erst mit, weil die meisten Kunden größere Kartoffeln bevorzugen.

Die Formel für die 4 Zutaten in der Kurzversion:
- Kartoffeln säubern
- Öl drüber
- salzen
- Kräuter drüber
- backen

So geht's:

Den Backofen auf 250°C vorheizen.

1. Kartoffeln
Soviel, dass ein feuerfestes Gargefäß der Wahl bodenbedeckend und einlagig mit Kartoffeln gefüllt ist. Ich nehme meist ein Gefäß mit hohem Rand, damit Fettspritzer sich in Grenzen halten. Wer ganz auf Nummer Sicher gehen möchte, legt einen passenden, feuerfesten Deckel oder etwas Alufolie auf.

Die Kartoffeln gut waschen und abbürsten, nicht schälen. Auf grüne Stellen prüfen und solche Kartoffeln ganz aussortieren oder die grünen Stellen großzügig wegschneiden. Die feuchten Kartoffeln auf die eine Hälfte eines Geschirrtuchs legen, die andere Hälfte darüberschlagen und etwas andrücken, damit die Kartoffeln überwiegend trocken sind (so werden sie besser vom Öl benetzt).

2. Olivenöl (z.B.
das Nativ Extra von Bio Planète "mild und dezent", s. diesen Beitrag)
Die Kartoffeln in das ofenfeste Gefäß füllen und das Olivenöl darübergeben. Soviel, dass der Gefäßboden gut mit Öl bedeckt ist die Kartoffeln sollen nicht in Öl schwimmen, aber sie benötigen ausreichend Öl als "Sauce", damit man sie beim Essen schön tunken kann. Gut vermengen, so dass alle Kartoffeln rundherum ölig glänzen.

Keine Angst vor zuviel Fett (sollte man sowieso nicht haben): das Öl gelangt nicht durch die Schale in die Kartoffel, sondern bleibt in der dünnen Schale. Wer mag, kann es dabei belassen. Aber es schmeckt auch köstlich, wenn man die gebackenen Kartoffeln auf dem Teller halbiert und in das (mit Kräutern und Salz gewürzte) Öl tunkt.

3. Steinsalz oder Meersalz (Pfeffer erst zum Essen)
Einmal "quer drüber" salzen, so dass jede Kartoffel etwas abbekommt. Jetzt vorerst nicht mehr umrühren.

4.a) Kräuter, z.B.
- reichlich Rosmarin und wenig Thymian
- gleiche Teile Rosmarin, Thymian, Majoran, Salbei und sehr wenig Kümmel
- andere Kräuter nach Wahl, je nach persönlicher Vorliebe

Die Kräuter grob hacken und darüberstreuen.

oder
4.b) Sesam-Samen
Nach Geschmack darüberstreuen.


Backen
In den
vorgeheizten Backofen geben und 15 Minuten backen.
Dann kurz herausnehmen und die Kartoffeln umrühren. Nochmals salzen wie vorher. Wieder in den Ofen geben und weitere 15 Minuten backen.

Wenn die Kartoffeln noch nicht leicht gebräunt sein sollten, kurz den Grill zuschalten und ggf. Deckel abnehmen (aber Achtung, dass sie nicht schwarz werden; geht manchmal sehr schnell) oder bei
Gasofen bzw. fehlendem Grill für 5-10 Minuten auf höchster Stufe weiterbacken.
Nach Geschmack am Tisch mit frischem Pfeffer würzen.

Mir als Puristin schmecken sie so, ohne Sauce, am besten. Wer denkt, daß sie zu pur sein könnten, macht einfach eine Kräutercreme dazu.
Als Beilagen passen sehr gut: grüne Butterböhnchen, Tomatensalat, Gurkensalat ...

Zubereitungsdauer ohne Backen ca. 15 Min. (je nach zu säubernder Kartoffel-Menge)

12. Juli 2009

Für Urs


(Dieses Rezept ist mit Gluten und Laktose; es kommt aus der Zeit vor 2013, bevor ich den Blog auf gluten- und laktosefrei umgestellt habe)


Meine ersten Versuche, in Deutschland Cornbread zu backen, waren gar nicht erfolgreich! Und weil ich nie Cornbread während meiner Zeit in Kanada und Amerika gebacken, sondern nur gegessen hatte, hatte ich nicht einmal ein Rezept, dass wenigstens dort funktioniert hätte. Nach etlichen enttäuschenden Backerfahrungen mit Cornbread-Rezepten, die ich von amerikanischen Websites zusammengegoogelt hatte, gab ich auf und schrieb meine Misserfolge den unterschiedlichen Mehl-Qualitäten in Amerika und Deutschland zu. Manchmal dachte ich auch, dass hier in Deutschland einfach schlechtes Cornbread-Kharma ist nicht umsonst gibt es hier nirgends Cornbread...


Cornbread heißt übersetzt zwar Maisbrot, hat geschmacklich aber nicht viel mit Brot zu tun – wenn überhaupt, würde ich es zwischen Muffin und Brotähnlichem einstufen. Wer Cornbread kennt, wird mir wohl zustimmen, dass man keinerlei Brot-Erwartung haben sollte und stattdessen lieber eine vollkommen andere Geschmacks-Kategorie einrichtet.

Ich hatte also die Suche nach einem Rezept schon lange aufgegeben, als ich Anfang des Jahres in der herrlichen Kochbuchabteilung von Goldhahn & Sampson im Prenzlauer Berg stöberte und ein Backbuch sah, das von einer Amerikanerin geschrieben wurde, die seit vielen Jahren in Berlin lebt. In Cynthia Barcomis Backbuch gab es ein Cornbread-Rezept, das so vielversprechend klang, dass ich dachte: also gut, einmal versuche ich es noch!
Das erste Backergebnis war mir zwar zu süß, aber ansonsten perfekt!! Und nach ein paar kleineren Anpassungen ist es jetzt genau das Cornbread, das ich immer backen wollte.




Ich kann nicht sagen, dass ich anfangs Cornbread überhaupt mochte
im Gegenteil, ich fand es geschmacklich so seltsam, dass ich nicht darüber hinweg kam, wie man in Restaurants in Nordamerika oft
so etwas statt Baguette in einem Brotkorb servierte
und dann noch mit Butter und manchmal Apfelmus dazu... Ich habe es anfangs nur aus Hunger gegessen um die Wartezeit bis zur Hauptspeise zu überbrücken nicht weil ich es mochte!
Und irgendwann, wieder zurück in Deutschland, habe ich es dann vermisst...
Meine Nachbarn Ulrike und Urs sind immer tapfere Testesser, und weil sie das Cornbread so köstlich finden, gibt es das Rezept diese Woche zu Urs' siebzehntem Geburtstag. Tädäää!

Cornbread (
Maisbrot)

Adaptiert von Cynthia Barcomi's Backbuch
 

(Dieses Rezept ist mit Gluten und Laktose; es kommt aus der Zeit vor 2013, bevor ich den Blog auf gluten- und laktosefrei umgestellt habe)

Polenta gibt es z.B. im Bioladen oder Reformhaus in sehr guter Qualität. Bitte darauf achten, dass es nicht die Schnellkoch-Variante ist, sondern ganz reguläre Polenta. Wem das Cornbread zu süß oder salzig ist (oder umgekehrt), kann die Zucker- und Salz-Mengen nach persönlichem Geschmack variieren.
Am besten schmeckt es warm direkt aus dem Ofen; aber ein bißchen abkühlen lassen sollte man es vorher,
sonst fällt es zu sehr auseinander. Dann ein bißchen gesalzene Butter dazu... mmmhhh! Es soll auch mit Ahornsirup sehr lecker schmecken oder, ganz authentisch, zu einer scharfen mexikanischen Bohnensuppe.
Abgekühltes Cornbread kann man im vorgeheizten Ofen (ca. 250
°C) in maximal 5 Minuten (sonst trocknet es zu sehr aus) wieder aufbacken. Übriggebliebene Stücke lassen sich gut einfrieren und dann, noch gefroren, im vorgeheizten Ofen bei ca. 200°C in 7-10 Minuten aufbacken (dann bei ausgeschaltetem Ofen noch ein paar Minuten drin lassen, damit die Hitze Zeit hat, nach innen zu gelangen).

150 g Mehl
150 g Polenta
2 TL gesiebtes Backpulver
1 gestr. TL Steinsalz
50 - 60 g Rohrohrzucker

90 g zerlassene Butter

1 Ei

250 g Buttermilch

Eine
Spring- oder Auflaufform mit ca. 30 cm Durchmesser einfetten (ich habe keine eckige Form, deswegen nehme ich immer eine runde, aber eine eckige wäre eigentlich noch besser geeignet, damit es keine halbrunden Stücke gibt).13.12.09 - Ergänzung:
ich habe letztes Mal eine normale Kastenform verwendet mit perfektem Backergebnis!

Die trockenen Zutaten in einer großen Schüssel gut verrühren.
Die Butter zerlassen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Das Ei leicht verschlagen und mit der zerlassenen Butter verrühren. Die Buttermilch unterrühren.

Dann die feuchten in die trockenen Zutaten rühren, aber nur so lange, bis es einigermaßen vermengt ist - kleine Klümpchen sind durchaus erwünscht.

Die Masse in die gefettete Form füllen.

Im vorgeheizten Backofen bei ca. 220°C für ca. 15-20 Minuten backen.

5-10 Minuten abkühlen lassen. dann herausnehmen und in Rechtecke oder Quadrate schneiden.

Zubereitungsdauer ohne Backen ca. 20 Min.