Einer meiner beiden Lieblings-Marktstände hat die wunderbarsten Karlena-Kartoffeln! Und vor allem: jetzt zu Saisonbeginn gibt es für nur kurze Zeit die allerkleinsten Exemplare, die so köstlich sind, dass ich mich das ganze Jahr darauf freue! Die kleinsten sind für dieses Gericht am allerleckersten weil sie die größte Oberfläche und damit die meiste Schale haben (die Schale trägt die Gewürzaromen und wird mitgegessen). Das Ganze geht natürlich auch mit anderen Kartoffelsorten – Hauptsache winzig!

Einfach. Anspruchslos. Minimalistisch.
Aber so einfach das Gericht zuzubereiten ist, so schwierig ist es, davon ein Foto zu machen, das auch nur annähernd den köstlichen Geschmack vermittelt! Also, auch wenn das Foto nicht so verführerisch aussieht, wie es angemessen wäre: bitte unbedingt machen! Allein der Duft beim Backen ist ein Genuss!

Übrigens kaufe ich auch deshalb so gern bei diesem einen Marktstand, weil dort die Kartoffeln (und das Gemüse) oft von einer schützenden und feuchtigkeitsspendenden Erdschicht umhüllt sind. Es ist wirklich erstaunlich, wieviel länger diese Kartoffeln frisch bleiben! Das beste Konservierungsmittel!
Und ich bekomme auch gleich einen meiner liebsten Düfte dazu: feuchte Erde!! So als hätte ich die Kartoffeln gerade höchstpersönlich aus dem Acker geholt...
Leider wagen es nicht mehr viele Marktanbieter, geschweige denn Supermärkte, ungewaschene Kartoffeln und Gemüse anzubieten – die meisten Verbraucher sind mittlerweile so sehr an den Anblick von "sauberem" Gemüse gewöhnt, dass sie das erdbehaftete aus optischen Gründen nicht kaufen würden.

Ofen-Babykartoffeln
Heute gibt es mal kein "richtiges" Rezept mit Mengen – eher eine formel-ähnliche Anleitung. Es ist übrigens auch ein ideales Gericht für Koch-Anfänger, und wenn man es einmal gemacht hat, braucht man es kaum mehr nachzulesen.
Möglichst die allerkleinsten Kartöffelchen kaufen, die es gibt! Die Babykartoffeln gibt es nicht so oft in Geschäften, sondern meistens bei Bauern auf dem Markt. Es kann sogar sein, dass man gezielt danach fragen muss – einige Bauern bringen die kleinen Exemplare gar nicht erst mit, weil die meisten Kunden größere Kartoffeln bevorzugen.
Die Formel für die 4 Zutaten in der Kurzversion:
- Kartoffeln säubern
- Öl drüber
- salzen
- Kräuter drüber
- backen
So geht's:
Den Backofen auf 250°C vorheizen.
1. Kartoffeln
Soviel, dass ein feuerfestes Gargefäß der Wahl bodenbedeckend und einlagig mit Kartoffeln gefüllt ist. Ich nehme meist ein Gefäß mit hohem Rand, damit Fettspritzer sich in Grenzen halten. Wer ganz auf Nummer Sicher gehen möchte, legt einen passenden, feuerfesten Deckel oder etwas Alufolie auf.
Die Kartoffeln gut waschen und abbürsten, nicht schälen. Auf grüne Stellen prüfen und solche Kartoffeln ganz aussortieren oder die grünen Stellen großzügig wegschneiden. Die feuchten Kartoffeln auf die eine Hälfte eines Geschirrtuchs legen, die andere Hälfte darüberschlagen und etwas andrücken, damit die Kartoffeln überwiegend trocken sind (so werden sie besser vom Öl benetzt).
2. Olivenöl (z.B. das Nativ Extra von Bio Planète "mild und dezent", s. diesen Beitrag)
Die Kartoffeln in das ofenfeste Gefäß füllen und das Olivenöl darübergeben. Soviel, dass der Gefäßboden gut mit Öl bedeckt ist – die Kartoffeln sollen nicht in Öl schwimmen, aber sie benötigen ausreichend Öl als "Sauce", damit man sie beim Essen schön tunken kann. Gut vermengen, so dass alle Kartoffeln rundherum ölig glänzen.
Keine Angst vor zuviel Fett (sollte man sowieso nicht haben): das Öl gelangt nicht durch die Schale in die Kartoffel, sondern bleibt in der dünnen Schale. Wer mag, kann es dabei belassen. Aber es schmeckt auch köstlich, wenn man die gebackenen Kartoffeln auf dem Teller halbiert und in das (mit Kräutern und Salz gewürzte) Öl tunkt.
3. Steinsalz oder Meersalz (Pfeffer erst zum Essen)
Einmal "quer drüber" salzen, so dass jede Kartoffel etwas abbekommt. Jetzt vorerst nicht mehr umrühren.
4.a) Kräuter, z.B.
- reichlich Rosmarin und wenig Thymian
- gleiche Teile Rosmarin, Thymian, Majoran, Salbei und sehr wenig Kümmel
- andere Kräuter nach Wahl, je nach persönlicher Vorliebe
Die Kräuter grob hacken und darüberstreuen.
oder
4.b) Sesam-Samen
Nach Geschmack darüberstreuen.
Backen
In den vorgeheizten Backofen geben und 15 Minuten backen.
Dann kurz herausnehmen und die Kartoffeln umrühren. Nochmals salzen wie vorher. Wieder in den Ofen geben und weitere 15 Minuten backen.
Wenn die Kartoffeln noch nicht leicht gebräunt sein sollten, kurz den Grill zuschalten und ggf. Deckel abnehmen (aber Achtung, dass sie nicht schwarz werden; geht manchmal sehr schnell) oder bei Gasofen bzw. fehlendem Grill für 5-10 Minuten auf höchster Stufe weiterbacken.
Nach Geschmack am Tisch mit frischem Pfeffer würzen.
Mir als Puristin schmecken sie so, ohne Sauce, am besten. Wer denkt, daß sie zu pur sein könnten, macht einfach eine Kräutercreme dazu.
Als Beilagen passen sehr gut: grüne Butterböhnchen, Tomatensalat, Gurkensalat ...
Zubereitungsdauer ohne Backen ca. 15 Min. (je nach zu säubernder Kartoffel-Menge)


